Der digitale Flughafen (2/4): Konzepte der Digitalisierung

Die digitale Transformation erfasst alle Prozesse. Die Reisebranche im Allgemeinen und darunter insbesondere die Flughäfen sind davon betroffen. Im Teil 1 dieser Miniserie haben wir gesehen, dass Flughafengesellschaften sowohl den Kundennutzen als auch die Effizienz erhöhen müssen, wenn sie weiterhin profitabel bleiben sollten. Welche Konzepte der Digitalisierung sind bei der Modernisierung der Flughäfen relevant?

Protypen am Flughafen - Konzepte der DigitalisierungProtypen: Die Digitale Transformation analysieren

Was sind Protypen?

Das Wort „Protyp“ wurde 2019 von S. Jäckle und U. Brüggemann in ihrem Buch „Digitale Transformationsexzellenz“  eingeführt. Sie benennen 22 Protypen, also „Konzepte, Kräfte und Muster“ der digitalen Dominanz. Protypen sind Instrumente, um aufzuzeigen, in welchen Bereichen die Digitale Transformation die rasantesten Veränderungen erwirkt.

Nicht alle Protypen sind für alle Use Cases und für alle Fälle relevant. Doch oft sind mehrere dieser Konzepte der Digitalisierung gleichzeitig am Werk und beeinflussen sich gegenseitig.

Welche Konzepte der Digitalisierung betreffen die Flughäfen?

Manche Protypen sind Verhaltensmuster der Kunden, die durch die Digitalisierung besonders relevant geworden sind. Zum Beispiel fallen Convenience und User Experience unter diese Kategorie. Zwar wollten die Kunden schon immer praktische Produkte und eine bessere Erfahrung erleben. Doch diese sind nun dank Digitalisierung besonders einfach anzubieten.

Andere Protypen sind eher Ergebnisse des technologischen Fortschritts, wie zum Beispiel Built-in Flexibility (die Möglichkeit, alles mit einem Instrument, z.B. das Smartphone, zu erledigen) oder DIY, die Möglichkeit für den Kunden, Teil der Arbeit selbst zu erledigen.

Manche Protypen sind unmittelbar technologische Innovationen, die Prozesse so revolutionieren, dass komplett neue Leistungen möglich werden. Dazu zählen zum Beispiel AI, Automatisierung, Blockchain oder digital Twin. Alle diese Protypen werden für die Zukunft der Flughäfen relevant sein.

Protyp Convenience

Protyp #7 Convenience – Aus Jäckle S., Brüggemann U.: „Digitale Transformationsexzellenz“, Springer 2019

Höhere Erwartungen: Welche Protypen für die Generationen Y und Z?

Convenience

Der Protyp Convenience beschreibt die Eigenschaft eines Produkts (oder Service oder Kombination von beiden), der dem Kunden das Leben einfacher macht, entweder weil er Zeit gewinnt oder weil er weniger überlegen/machen muss. Das Kaufen eines Whiskys online hat einen höheren Convenience-Faktor als das Einkaufen des gleichen Artikels am Flughafen: Man muss nichts herumtragen, er wird geliefert an dem Ort, wo er gebraucht wird und die Bestellung kann unabhängig davon erfolgen, wo sich der Käufer gerade befindet.

Für Flughäfen ist der Protyp Convenience besonders relevant. Denn die Reisenden wollen so weit wie möglich Zeit und Mühe sparen. Das ist ja verständlich, bei dem Stressfaktor, den eine Reise manchmal mit sich bringt.

Wie praktisch (convenient) wäre es, zum Beispiel, anhand biometrischer Dateien direkt durch die Grenzen durchgehen zu können, ohne lange in der Schlange zu stehen? Produkte, die dies können, sind schon auf dem Markt und implementiert. Richtig einfach wäre es, nach einer Registrierung der biometrischen Daten (vielleicht schon beim Kauf des Tickets zu Hause) einfach durch den Flughafen laufen zu können – ohne Reisedokumente und Boarding Pass zu zeigen, sondern nur das Gesicht in ein Paar Kameras zu halten. Das System weiß doch, dass ich Frau Soundso bin und Flug XY nehme. Warum denn nicht auch so Essen bestellen und bezahlen?

Flughäfen müssen sich Gedanken machen, wie sie ihre Leistungen für ihre Kunden so praktisch wie möglich anbieten – und so die Kunden zur Nutzung der Leistungen anregen.

User Experience

Protyp User Experience

Protyp #20 User Experience – Aus Jäckle S., Brüggemann U.: „Digitale Transformationsexzellenz“, Springer 2019

User Experience ist ein weiterer der wichtigen Konzepte der Digitalisierung. Das Unternehmen mit der besseren User Experience kommt bei den Kunden an. Unternehmen, die für ihre Kunden die reichste, aber auch einfachste User Experience anbieten kann, haben am Markt die besseren Chancen. Im Falle vom Flughafen ist es wichtig, den Reisestress in allen Phasen niedrig zu halten, wie diese Graphik von Gunnebo verdeutlicht.

In einem Blogartikel erklärt Matthys Serfontein, President, Air Travel Solutions at SITA, dass die Kunden der neuen Generation eine User Experience erwarten, die nicht nur digital, sondern auch integriert ist.

Konzepte der Digitalisierung: Protypen für Flughäfen

Wenn wir also die beide Protypen auf die Situation in Flughäfen anwenden, verstehen wir, dass die Kunden eine höhere Digitalisierung erwarten.

Im nächsten Artikel dieser Miniserie erläutern wir einige Protypen technologischer Natur und inwiefern diese Konzepte der Digitalisierung schon jetzt für Flughäfen relevant sind.

Der digitale Flughafen, die Miniserie
Bisher erschienen:

  1. Die Wettbewerbsfähigkeit der Flughäfen erhöhen
  2. Konzepte der Digitalisierung
  3. Technologietrends, die auch da ankommen
  4. Protypen, die eine weitere Transformation fördern

 


Wie kann man die Protypen nutzen?
Viele Beispiele sind im Buch „Digitale Transformationsexzellenz“ zu finden.

Digitale Transformationsexzellenz„Digitale Transformationsexzellenz. Wettbewerbsvorteile sichern mit der Customer Company Excellence Matrix“, 2019, Springer Verlag (Prof. Dr. Steffen Jäckle & Uwe Brüggemann).

Die grundlegende wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Veränderungen, die die meisten Geschäftsmodelle in Zeiten der Digitalisierung revolutionieren, werden darin anhand der Dominanz der 22 Protypen erläutert. Die im Buch eingeführte CCX-Matrix ist für Unternehmen ein wertvolles Analyse-Tool, um ihre eigene digitale Strategie neu zu erarbeiten und für die Zukunft erfolgreich zu gestalten.

Autoren:
Uwe Brüggemann ist Unternehmer, Interim Manager und Berater. Er ist Gründer & Geschäftsführer der BM-Experts GmbH in Berlin.

Prof. Dr. Steffen Jäckle lehrt an der Hochschule Ravensburg-Weingarten, Fakultät Technologie & Management und ist als Berater und Key Note Speaker tätig.